„Odyssee des Leids“

Stanowski - Mathias Tertilt

Leszek Stanowski (Foto: Mathias Tertilt)

Leszek Stanowski aus Polen hat das Konzentrationslager Dachau überlebt. Im Rahmen der Internationalen Begegnung „70 Jahre nach Dachau“ erzählte er jungen Journalistinnen und Journalisten von seiner Befreiung vor 70 Jahren durch die Amerikaner. Tobias Schreiner aus Bielefeld schrieb die Odyssee des Leids von Herrn Stanowski nieder.

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„Ich bin in Auschwitz geboren“

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Foto: Tobias Schreiner

Junge Menschen und alte Menschen treffen sich zu Kaffee und Kuchen. Die einen tragen eilig Tassen und Teller, die anderen blau-weiß gestreifte Tücher um den Hals, als Zeichen für ihr Überleben. Sie kommen aus Polen und wollen ihre Geschichte mit uns teilen. Die Begegnung ist anfänglich von Unsicherheit geprägt, doch langsam nähern sich beide Gruppen an: Ein schüchternes Danke auf Polnisch (dziękuję), hier und da ein zaghaftes Lächeln und Kopfnicken.

Foto: Mathias Tertilt

Foto: Mathias Tertilt

Doch schon nach kurzer Zeit finden wir uns in zwei Gruppen zusammen und lauschen den erschütternden und bedrückenden Geschichten der Zeitzeugen. Sie sprechen über ihre Erlebnisse in den Konzentrationslagern und über die Zeit danach. „Die Hölle des Krieges war vorbei, aber die Schwere des Lebens begann“, sagt Barbara Daniecka, die als Kind Auschwitz-Birkenau überlebte.

Vielen fällt es noch heute schwer über ihre Erlebnisse zu reden, manche sehen den Sinn darin nicht. „Warum soll ich darüber reden und die Grauen immer wieder erneut durchleben?“ sagt Marian Jakubowicz. Wir sind froh darüber, dass diese Menschen es trotzdem tun, auch wenn es sie häufig an emotionale Grenzen bringt.

Foto: Mathias Tertilt

Foto: Mathias Tertilt

Auch Zofia Wareluk fällt es nicht leicht. Sie ist nervös. Heute hat sie zum ersten Mal das Grab ihres Vaters besucht und ein wenig Erde mitgenommen. Die will sie in Warschau auf das Grab ihrer Mutter legen, um die beiden zu vereinen. Der Vater war im KZ Dachau und verstarb mit 29 Jahren. Zofia Wareluk wurde in Auschwitz geboren, zwei Wochen vor der Befreiung des Lagers. Als sie erzählt, zittert ihre Stimme und auch wir sind tief berührt.

Ihre Geschichte ist nur eine von vielen bewegenden Erinnerungen, die wir von nun an als „Zweitzeugen“ mit uns tragen und weitergeben. Die anfängliche Unsicherheit hat sich in herzliche Zuneigung gewandelt. Nun gibt es etwas, das uns verbindet.

(Melanie Lutterkort und Claudia Schwarz)

Foto: Tobias Schreiner

Foto: Tobias Schreiner

„Ein Mahnmal für die Zukunft“

Leid, Hass, Zerstörung und Tod: Die Nationalsozialisten haben tiefe Wunden geschlagen – in die Lebensgeschichte von Millionen Familien und in unsere gesamte Gesellschaft. Und auch 70 Jahre danach darf das Erinnern nicht aufhören. Weshalb nicht, erklären vier junge Journalisten, die gemeinsam mit dem Maximilian-Kolbe-Werk die KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Dachau besucht haben.

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(Video: Nicole Stroth/ Erzdiözese Freiburg)